Unterschätztes Weinland, die Schweiz. Teil I Von der Sonne verwöhnt, Reben im Wallis

Als größtes Weinanbaugebiet der Schweiz hat das sonnenreiche Wallis jede Menge Wein zu bieten, vom einfachen Chasselas, der hier Fendant genannt wird, bis zu den Spezialitäten Amigne, Cornalin, Heida, Himbertscha, Petite Arvine, Resi und viele mehr. Die Weine aus diesen Reben zählen zu den ganz großen Schätzen des Wallis. Und das nicht nur, weil sie von besonderer Güte und Qualität sind, sondern auch weil es diese seltenen Rebsorten nur im Wallis gibt. Teilweise werden von diesen autochthonen Sorten nur ein paar hundert Flaschen hergestellt, was auch der Grund dafür sein dürfte, weshalb diese Weine außerhalb der Schweiz gar nicht, oder nur vereinzelt bekannt sind. Zu diesen Raritäten gesellen sich einige internationale Sorten die mal mehr, mal weniger bekannt und beliebt sind.  Manche davon bringen gute und sehr gute Ergebnisse, sie stehen hier auf den für sie geeigneten Böden und scheinen das Klima in vollen Zügen zu genießen.

Das glaubt man bei Weinen wie dem Cayas, der aus der roten Rebsorte Syrah gekeltert wird, sofort. Gepflanzt wurden die Reben für diesen erstklassigen Rotwein 1989 von Jean-René Germanier, dem Inhaber des gleichnamigen Weinguts. Belächelt hat man ihn sagt er, ob seiner Vorliebe für die Syrah, die im Wallis damals mit nur wenigen Hektar Rebfläche als Fremdling galt. Jean-René fand aber großen Gefallen an den Rotweinen die im französischen Rhônetal aus ihr gekeltert werden: Hermitage, Côte Rotie oder St.Joseph sind Weine die Germanier begeistern. So pflanzte auch er sie in besten und steilen Berglagen am rechten Ufer der Rhône, die durch das ganze Wallis fliest und die Region dadurch in zwei Seiten teilt. Mit seinem Neffen Gilles Besse-Germanier führt Jean-René das Familienunternehmen von der dritten in die vierte Generation, welches einst mit dem Destillat aus Williams Christ Birnen „Bon Père“ bekannt wurde. Mit Weinen von 140 Hektar Rebland ( 40 davon sind im Besitz der Familie) steht der Wein zwar im Vordergrund, die Birne „Bon Père“ bleibt aber ein wichtiger Faktor im Betrieb.

 CAYAS, 20 Jahre Syrah von Jean-René Germanier

Im Oktober 2016 hatte ich das Glück einige dieser seltenen Weinsorten verkosten zu können. Zusammen mit Chandra Kurt  (bekannteste Weinautorin, Wein-Journalistin in der Schweiz ) war ich im Weingut von Jean-René Germanier eingeladen, um neben der umfangreichen Rebsorten Kollektion des Hauses, 20 Jahrgänge von CAYAS, 1995 bis 2014 zu verkosten. Dieser Syrah zählt zu den Allerbesten der Schweiz, gewachsen auf den Schiefer-Terrassen in Balavaud, Chamoson, Fuly und Vètroz. CAYAS wurde erstmals 1994 erzeugt, aber mangels Menge und Qualität als Experiment betrachtet. 1995 -2014, das sind zwanzig Jahrgänge, zwanzig verschiedene Weine, zwanzig Jahre Handwerk am Weinberg und im Keller. Jahr für Jahr ein Kampf und Ringen mit der Natur und ihren Wetterkapriolen. Das Ergebnis kann sich sehen und schmecken lassen. Darüber waren sich die zwanzig geladenen Gäste, Freunde des Hauses, Master of Wine (MW),  Sommeliers und Weinjournalisten einig. Nicht immer stimmten ihre Ergebnisse überein, doch alle fanden großartige Weine in dieser vertikalen Verkostung. Syrah vom Allerfeinsten, Weine die sich mit den Besten ihrer Sorte in der Weinwelt vergleichen lassen! Für mich war das eine wunderbare Erfahrung neben all den Weinspezialitäten die bei Jean-René Germanier produziert werden.

Einzelne Verkostungsnotizen zu 20 Jahre Cayas finden Sie in Verkostungsnotizen

2017-01-23T14:41:53+00:00 Januar 16th, 2017|Categories: Blog, Reisen, Schweiz|Tags: , , , |